Datenschutz und der Aufstieg der alternativen Suchmaschine

Im Laufe des Sommers haben wir unseren Blog für Gast-Blogger geöffnet, die ihre Sichtweise auf den Datenschutz teilen möchten. In diesem Beitrag erklärt Finn Brownbill, wie wir bei der Suche nach Daten dem Tracking zum Zwecke der Datenerfassung ein Ende setzen können.

Da das Web weiterhin explosionsartig wächst, ist der Zugang zu Informationen zu einem kritischen Teil unseres täglichen Lebens geworden, was die Suchmaschine zu einem der nützlichsten Werkzeuge des Webs macht. Ohne die Zusammenführung des Webs durch Suchmaschinen wäre die Fähigkeit, die Informationen der Welt abzurufen und zu erkunden, eine nahezu unmögliche Aufgabe.

Leider haben dominante Akteure im Suchmarkt seit Jahren den Bereich der Privatsphäre der Nutzer in den Hintergrund gedrängt und unsere Abhängigkeit von ihren Suchmaschinen mit ihren Ad Networks verknüpft. Sie haben unsere Daten in enormem Umfang gesammelt, und das Thema Tracking durch Suchmaschinen ist inzwischen außer Kontrolle geraten.

Tracking durch Suchmaschinen

Um es ganz unverblümt auszudrücken, wenn es möglich wäre, würden die großen Suchmaschinen alles verfolgen, was wir tun, alles, was wir sagen und wohin wir gehen. Dies wurde zum Preis für die „kostenlose“ Nutzung ihrer Dienste. Obwohl diese Praktiken mittlerweile normal geworden sind, wissen viele immer noch nicht, wie viele Daten gesammelt werden und zu welchem Zweck.

Es gibt häufig auch das Missverständnis, dass Tracking durchgeführt wird, um Suchmaschinen profitabel zu machen oder unsere Suchergebnisse zu verbessern. Das ist nicht ganz richtig. Suchergebnisse und relevante Anzeigen können ausschließlich auf unserer Suchanfrage basieren und nicht auf unserem Suchverlauf oder unseren persönlichen Daten. Googles eigener Pandu Nayak bestätigt dies, wenn er sagt:

„Es gibt nur eine sehr geringe Personalisierung der Suche und das Bestehende konzentriert sich auf den Standort eines Benutzers oder den unmittelbaren Kontext einer vorherigen Suche.“

Das bedeutet, dass der Zweck der gesamten Datenerfassung nur darin besteht, uns gezielte Werbung anzuzeigen (Anm. d. Übersetzers: Über die zu den Suchmaschinen gehörenden Werbenetzwerke), wenn wir uns auf anderen Websites als denen der Suchmaschine befinden.

Die erfassten personenbezogenen Daten können Suchanfragen, Alter, Geschlecht, Standort, Hobbys und vieles mehr umfassen. Darauf basiert leider das Geschäftsmodell dieser Unternehmen. Allein die Werbeeinnahmen von Google beliefen sich 2018 auf fast 116,3 Milliarden US-Dollar.

Sie haben extreme Anstrengungen unternommen, um Daten auf Kosten unserer Privatsphäre zu extrahieren, einschließlich der Beschaffung persönlicher Web-Aktivitäten aus WLAN-Netzwerken über ihre Street View-Fahrzeuge oder unter Umgehung der Safari Tracker-Cookie-Einstellungen um die Benutzeraktivitäten zu überwachen.

Trotz der negativen Medienaufmerksamkeit und der Geldbußen kommen sie weiterhin damit durch, und jedes Mal, wenn sie das tun, wird unser Recht auf Privatsphäre schwächer. Es ist also klar, dass sie sich nicht ändern werden, zumindest nicht, solange sie nicht durch Vorschriften dazu gezwungen werden oder Nutzer, die ihre Dienste nicht mehr nutzen.

Wenn sie sich also nicht ändern, ist es an der Zeit, sich woanders umzusehen.

Zeit für Veränderungen

Einige mögen es für einen Kompromiss halten – aus der Komfortzone herauszukommen, indem sie auf ein Werkzeug verzichten, an das sie gewöhnt sind. Aber zum Glück für diejenigen, die bereit sind, ihre Privatsphäre zurückzufordern, ist es eigentlich viel einfacher zu wechseln, als man denkt. Und sie sind nicht allein – laut einer Studie von Cognizant über „The Business Value of Trust“ (Der Geschäftswert
von Vertrauen) gaben 47% der Befragten an, dass sie im aktuellen Umfeld zu einem digitalen Startup wechseln würden, das ihre Daten besser schützt.

Es gibt tragfähige Optionen, bei denen wir uns nicht darum kümmern müssen, wer bei jeder Suche über uns wacht, sich fragen, was die Auswirkungen sind und wie unsere eigenen Daten gegen uns verwendet werden. Es gibt viele Arten von privaten Suchmaschinen zur Auswahl, darunter DuckDuckGo, Startpage und Mojeek (die alle in Vivaldi funktionieren).

Ähnlich wie bei der Verwendung von Vivaldi als Browser Ihrer Wahl stellt die Verwendung einer alternativen, datenschutzorientierten Suchmaschine sicher, dass die Benutzerauswahl und der Wettbewerb auf einen Markt zurückkehren können, der viel zu lange von einigen wenigen Unternehmen dominiert wird. Selbst wenn Sie nicht ausschließlich auf diese Alternativen umsteigen, wird die gelegentliche Verwendung dieser Alternativen es ihnen ermöglichen, zu wachsen und Ihnen eine freie Wahl zu bieten.

Finn Brownbill ist Head of Marketing bei der datenschutzorientierten Suchmaschine Mojeek. Erfahren Sie, wie Sie ein Gast-Blogger zum Thema Online-Datenschutz werden können.

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  1. Hallo, ich bin so froh, dass endlich meine Gedanken erhört und in eine gut funktionierende Softwarelösung umgesetzt hat!
    Vivaldi bietet mir vom Start an, genau das, was mir seit Jahren unter der Nägeln brennt. Die ganzheitliche Lösung inklusive Mail haben mich bereits zum Wechsel getrieben. Wenn Ihr eines Tages auch noch eine Cloud-Funktion anbietet, bin ich bereit, für das Ganze Paket Geld zu bezahlen. Vorausgesetzt, Ihr garantiert, dass meine Daten bei Euch in KEINSTER Weise verwendet werden.

    1. Jon v. T. und das ganze Team hinter Vivaldi müsste sich schon extrem wandeln, damit es jemals dazu kommen könnte, dass sie Nutzerdaten oder -inhalte weitergeben würden.

      Sie haben sichergestellt, dass erst garkeine rückverfolgbaren Daten erhoben werden, obwohl das in einigen Fällen (meiner Meinung nach verschmerzbare) Nachteile mit sich gebracht hat, insofern habe ich volles Vertrauen darin, dass sie das auch bei einer eventuellen Cloud Lösung nicht anders handhaben würden – aber das steht alles noch in weiter Ferne, dazu muss Vivaldi erst einmal weiter wachsen und Geld verdienen, bevor sie daran auch nur denken können, denn die Initialkosten für eine eigene Cloud Lösung sind ziemlich happig.

      90% aller, die versucht haben eine eigenständige Cloud Lösung aufzuziehen, existieren heute nicht mehr oder wurden von G.A.MS. oder anderen aufgekauft – und damit war die Privatsphäre futsch, denn wie die mit unseren Daten umgehen, braucht nicht wirklich zu wiederholen …

  2. Heute habe ich den Vivaldi-Newsletter bekommen.
    Mit folgendem Inhalt:
    Startpage and Vivaldi bring more privacy to your search
    As search traffic and privacy concerns rise, Startpage and the Vivaldi browser – both governed by strict European data protection laws – give users world-class search results with zero tracking.

    Veröffentlicht am Mai 20, 2020 – Von Tatsuki Tomita – 3088 Aufrufe

    Startpage ist meiner Meinung nach nicht zu empfehlen.
    Weil:
    Diesmal gibt das Unternehmen auf dem Blog still und heimlich bekannt, dass man
    Unternehmensanteile an ein Werbe- und Marketing-Unternehmen namens System1
    LLC. verkauft hat.

    Mod edit (Kommentare zusammengefasst)
    Nachtrag:
    https://tarnkappe.info/startpage-verkauft-firmen-anteile-an-system1-llc/

    Mod edit (Ergänzungen)
    Hier die Originalmeldungen:
    https://support.startpage.com/index.php?/Knowledgebase/Article/View/1260/17/who-are-the-owners-of-startpage
    https://www.startpage.com/blog/company-updates/startpage-and-privacy-one-group/

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